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Oto Rimele - Maler, visueller Künstler, Autor mehrerer Rauminstallationen, Musiker und Universitätsprofessor

BERLINER PORTRÄTS (1961–89)
Die Licht- und Schattenseiten der Berliner


Mit "Berliner Porträts" sind sowohl Kunstwerke, die im Oktober 2018 in Berlin entstehen werden, als auch (oder vor allem) die Porträts von Berlinern gemeint.

Sinn und Inhalt der "Porträts der Berliner" ist es, die Eigenheiten des Individuums durch die Abbildung seiner oder ihrer "lichten und schattigen Seiten" aufzuzeigen. Die porträtierte Einzelperson wird nämlich zur Vertikalform stilisiert, die den Schatten und das Licht des Bildnisses bestimmt.

Die Höhe eines einzelnen vertikalen Holzformats hängt vom Abstand zwischen dem Anfang der Wirbelsäule und der Kopfspitze des oder der Porträtierten ab. Die Wirbelsäule, das Rückenmark und der Kopf mit dem Gehirn sind die Zentren der (Aus)strahlung. Auch das Herz bildet eine Form, die das Individuum, den Menschen, ausstrahlt und darstellt.

Wie sich vertikale Bilder im physischen Sinn in unterschiedlichen Längen und Breiten darstellen, so kennzeichnen die geschaffenen Porträtbilder das Immetrielle (Spirituelle) in den Porträtierten durch unterschiedliche Reflexionen der Farbstrahlung. In Abhängigkeit von dem sich verändernden (Tages-)Licht im Austellungsraum variieren Intensität, Position und Form der Farbreflexionen. Die Letzteren entstehen als Folge von Farbaufträgen auf die, dem Betrachter unsichtbare, "Rück"-Seite der ausgewählten Malformate in Form von Holzvertikalen.   

Die Porträteigenschaften der einzelnen Personen sind daher nicht mit der Physiognomie bzw. der äußeren Erscheinung der Porträtierten verbunden. Auch ihre Namen sind unwichtig. Für den Porträtinhalt sind die innere, immaterielle Haltung und der Geisteszustand der Porträtierten von zentraler Bedeutung.

Ich versuche, auf die innere, unsichtbare Präsenz der Porträtierten hinzuweisen. Auf ihr inneres, immaterielles Dasein. Auf die Form und Intensität der Ausstrahlung ihres Wesens. Auf die Anwesenheit von Licht und Schatten ihres Selbst. Auf ihre Seele und ihren Entschluss.   

Der Zyklus mit dem Titel "Berliner Porträts (1961–89)" ist den Lichtsuchenden gewidmet – vor allem jenen, die in den Jahren 1961–89 die Freiheit suchten und so mit den eigenen Licht- und Schattenseiten sowie mit den hellen und dunklen Seiten der deutschen Realität konfrontiert wurden.

Der Bildzyklus umfasst voraussichtlich dreizehn Porträts.

Das Projekt "Berliner Porträts (1961−89)" sieht seine endgültige Umsetzung in Form von einer oder mehrerer Ausstellungen vor. Es findet auf verschiedenen, sorgfältig ausgewählten Schauplätzen mit natürlichem Tageslicht und (oder) unter hochwertiger künstlicher Beleuchtung statt, die durch Computeralgorithmen gesteuert werden kann.


Oto Rimele,
26. August 2018

 

Technische Daten

Die einzelnen Vertikalelemente werden aus sorgfältig ausgewählten Holzarten hergestellt.
Holzarten: Linde, Eiche, Lärche, Fichte u. a.
Höhe des einzelnen Ausstellungsstücks: 90 bis 110 cm
Breite des einzelnen Ausstellungsstücks: 8 bis 15 cm
Tiefe des einzelnen Ausstellungsstücks: 6 bis 12 cm
Stückzahl: 13
Materialien: Holz, Farbe, Wachs
Realisierung der Ausstellung: Berlin, 2019; Ljubljana 2020



Oto Rimele ist Maler, visueller Künstler, Autor mehrerer Rauminstallationen, Musiker und Universitätsprofessor.

Seine Bildnisse konstruiert er derart, dass sie das Lichte der Farben erstrahlen lassen. Sie sind inhaltlich präzise in den Ausstellungsraum platziert und erreichen ein Erschaffen der immateriellen Farbkommunikation: seine Bilder und Objekte ermöglichen, dass die Helligkeit im Raum übergeht in eine Helligkeit des Abbildes,  welches danach an den Wänden reflektiert wird und sich wie eine Aura ausdehnt.
Der Künstler versucht mit seinen Rauminstallationen, in die er oft auch eine Klangkomponente einfügt, einen Zustand des visuellen Abbildes zu erreichen, dass in Interaktion mit dem Zuschauer und dem Raum einen Zustand der Ganzheitlichkeit erreicht:  sein künstlerisches Abbild dient dazu, dass der Zuschauer sich endlich wieder selbst bemerkt und in die Dimension des Immateriellen eintreten kann. Seine Arbeiten könnten wir als
»Spirituellen Minimalismus« bezeichnen, die inhaltlich mit dem europäischen Geist korrespondieren sowie mit folgenden Autoren: Mark Rothko, Anish Kapoor, James Turell, Bill Viola, Arvo Pärt.

Im Jahr 2204 war er Preisträger des Prešeren Preises, den er für seine Ausstellung Iluminacije  in der Kirche des ehemaligen Zisterzienserklosters in Kostanjevica na Krki erhielt.

Im Jahr 2012 erschien eine zweisprachige Fachmonographie mit dem Titel »Oto Rimele: Duhovnost materialne odsotnosti / Spirituality of material absence«, Autor der Monographie mit 124 farbigen Seiten ist Dr. Jure Mikuž.

Der Künstler hatte zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen. Als Musiker arbeitete er als Mitbegründer, Musikkomponist und Gitarrist der Gruppe Lačni Franz (1979–1985) und als Gitarrist in der Band Laibach (Album Opus Dei). Weiters ist er Komponist zahlreicher zeitgenössischer Musikstücke.
Seit dem Jahr 1997 unterrichtet er Malerei und Zeichenkunst an der Pädagogischen Fakultät der Universität in Maribor, nun als ordentlicher Professor.
Mehr Informationen finden Sie  auf seiner Hompage: http://www.otorimele.com/sl/

OTO RIMELE
LEUCHTKREISE  
Ein Raum-Zeit-Ambiente

Würden wir die Ausstellungen von Oto Rimele tatsächlich in ihrer Gesamtheit erleben wollen, müssten wir jeden Tag und jede Stunde ihrer Dauer auf dem Ausstellungsgelände verbringen. Durch fortwährendes Forschen entwickelte Rimele ein einzigartiges Malverfahren, mit dem er Farben an die Wände des Galerieraums strahlen lässt. Die Intensität dieser Strahlung hängt von der Stärke des Tagelichts ab, das durch die Wandöffnungen der Ausstellungsräume eindringt und die ausgestellten Gemälde jeden Moment anders erscheinen lässt. Der Maler selbst nennt seine Bilder "Lichtfänger" und auch "Lichtgeneratoren". Es ist ein einzigartiges Erlebnis, die von den Lichtverhältnissen im Raum abhängigen Veränderungen in der Erscheinungsform der Gemälde zu verfolgen. Zur Tageszeit, die lichtmäßig am schwierigsten zu bestimmen ist − nämlich bei Einbruch der Dunkelheit, stellen die Gemälde ihre magische Kraft unter Beweis. Wenn der Tag allmählich erlischt, erstrahlt die Aura der Gemälde am intensivsten. Die Verwandlung der Materie in eine Farbspiegelung, die von allem Greifbaren befreit ist, stellt die Essenz von Rimeles kreativem Prozess dar.

Für gewöhnlich sind Rimeles Bilder verhältnismäßig große, dreidimensionale Objekte, ihre diagonal nach innen gegen die Wand gebrochenen Ränder entziehen sich aber unserem Blick. Und gerade diese, dem Blick verborgenen Seiten übermalt der Künstler mit leuchtenden Farben (üblicherweise verwendet er dazu fluoreszierende Farbtöne), während er die Vorderseite weiß färbt. Stehen wir vor dem Bild, so entzieht sich die frontale Fläche fast vollständig unserer Wahrnehmung, unser Blick ist nämlich auf jene Farbschatten fokussiert, die die Farbe von den diagonal gebrochenen Rändern an die Wand projiziert.
Rimeles Malerei verlangt vom Betrachter äußerste Einfühlsamkeit, eine Art kontemplative Betrachtungsweise, der wir in der heutigen Zeit kaum noch mächtig sind. Wir sind an intensive Impulse, gar visuelle und akustische Angriffe gewöhnt. Rimele hingegen lädt ein, uns zu isolieren und in uns selbst zu vertiefen, während wir seine Werke betrachten. Wie der Künstler selbst klarstellt, befindet sich das Gemälde auf dem Ausstellungsgelände, um den Betrachter zum Blick ins Innere zu bewegen, um ihn dazu zu verleiten, die schwer nachvollziehbaren Geheimnisse der Weiten des Universums sowie unsere eigene Existenz darin zu hinterfragen, während er das langsame Fortschreiten des Tageslichts und die sich dadurch verändernden Gestalten an der Wand beobachtet und verinnerlicht. Man könnte auch meinen, dass Rimeles Werke den einfühlsamen Betrachter mit der Unendlichkeit des Kosmos verbinden wollen, sie versuchen ihn zugleich dem Archetypischen und dem Universellen näherzubringen.

Bei Betrachtung von Rimeles Gesamtwerk lässt sich innerhalb seiner malerischen Entdeckungsreisen eine klare Kontinuität erkennen. Seit der frühesten Schaffensperiode ist er an Farbe interessiert; zunächst behandelte er sie in ihrer materiellen Erscheinung, widmete sich aber schließlich zunehmend der Frage nach den Rändern des Bildfelds und dem Versuch, die Farbe zu entmaterialisieren. Verstärkt hat ihn die Farbe in ihrer Form als schwerelose Erscheinung und als Kommunikationsmittel mit dem Betrachter interessiert. Farbe und Licht sind die Konstanten in Rimeles Schaffen, was sich verändert, ist der Bildträger. Der Künstler führt neue Motive in einzelne Bilderzyklen ein und schafft dadurch auch neue inhaltliche Impulse. Die meisten seiner Gemälde bestehen aus einem komplexen Holzrahmen, über den er die Leinwand spannt. Auf diese Weise wurde in der ehemaligen Kirche des Zisterzienserklosters in Kostanjevica na Krki (2003) auch die Ausstellung Illuminationen konzipiert, für die er 2004 mit dem Preis des Prešeren-Fonds ausgezeichnet wurde. Danach begann er die Malkörper aus Vollholz zu gestalten und stellte sie auf den Boden (Le Jeu, Galerie Loža in Koper, 2006), und noch später ersetzte er die massiven Objekte mit Lamellen aus Plexiglas (Bilder, Božidar-Jakac-Galerie in Kostanjevica na Krki, 2010). Die Farbstrahlung stellt auch auf klassischen Tafelbildern, auf die Rimele gelegentlich zurückgreift, ein zentrales bildnerisches Problem dar.

Seit einigen Jahren zeigt Rimele Interesse an der wechselseitigen Beziehung von Quadrat und Kreis. Ein typisches Beispiel derartiger Eruierung ist das Werk mit dem Titel Runder Spiegel (2012), auch Teil der Ausstellung im Slowenischen Kulturzentrum Korotan in Wien. Das Bild, bestehend aus Stabelementen, bildet physisch ein Quadrat; der von der Wand reflektierende farbige Schatten hat jedoch die Form eines Kreises. Wir sehen uns mit einem real existierenden Quadrat im Verhältnis zum entmaterialisierten Kreis konfrontiert, also mit dem Irdischen, Menschlichen im Gegensatz zum Kosmischen, Göttlichen. Öfters bediente sich der Maler auch des runden (oder fast runden bzw. ovalen) Malkörpers. Bereits 2011 schuf er ein (fast) rundes Gemälde mit dem Titel Ovum-Ro. Für die Ausstellung in der Galerie Korotan erzeugte er in den letzten Monaten sechs ovale Objekte aus Vollholz, die mit ihrer äußeren Kontur und einer leicht in den Raum gespannten Vorderseite zum Nachdenken über die Urform anregen. Sowohl die Vorder- (Öl) als auch die Rückseiten (Acryl) der ovalen Holzkörper sind malerisch behandelt. Sie werden an den Galeriewänden von roten Auren umzogen, vergleichbar mit Mandorlen, mit denen christliche Maler die Heiligengestalten umgeben haben. In der christlichen Ikonographie stehen Mandorlen für die Verbindung von Himmel und Erde und stellen sich auf symbolischer Ebene über den Dualismus von Materie und Geist. Mit dem Buchstaben O und einer Seriennummer kennzeichnete der Maler seine neuesten Arbeiten, die er eigens für die Galerie Korotan schuf und an die räumlichen Gegebenheiten des Ausstellungsraums in der Wiener Albertgasse anpasste. Die Bezeichnung kann als erster Buchstabe des Titels (zum Beispiel Ovum) oder auch als Null gedeutet werden. Die sechs jüngsten Gemälde von Oto Rimele erscheinen nur auf den ersten Blick fast identisch. Tatsächlich ist jedes Bild anders. Ein genauer Beobachter wird die Unterschiede in Form und Größe erkennen; außerdem wird er bemerken, dass jede der Vorderseiten mit mehreren Farbschichten verschiedenartig bemalt ist, wodurch sie sich auch in ihrer Struktur voneinander unterscheiden. Durch die Farbschichten, die vom dominierenden Weiß in der Bildmitte zu den Rändern hin allmählich in rötliche Tönungen übergehen, schimmern auch die Jahresringe der Holzunterlage. Denkt man über die Symbolik der Kreisform und die Geheimnisse des Kosmos nach, über das Licht, das unseren Lebensrhythmus bestimmt, und über den Übergang vom Materiellen ins Ungreifbare, macht sich auch der Gedanke breit, dass in den ovalen Formen der jüngsten Gemälde von Rimele Spuren des Anthropomorphen zu finden sind. Zu dieser Annahme verleiten uns die Farbnuancen des Inkarnats.

Oto Rimele, ein angesehener Musiker, hat die sorgfältig geplante Aufstellung seiner Gemälde in der Galerie Korotan auch mit eigener Musik ausgestattet. Zur Vernissage kündigte er die Uraufführung eines Klangereignisses auf Gitarre an, später wird die Ausstellung mit Komposition O musikalisch untermalt. Der Raum wird durch Intensivierung und Dämpfung der Klänge sowie abwechselnde Intervalle der Stille subtil gefüllt. Das Zyklische ist eine Komponente, die Rimeles jüngsten Kunstwerke zu einer Raum- und Klanginstallation zusammenschließt und dem Ganzen eine zeitliche Dimension verleiht.
Der zentrale Teil der Ausstellung in der Galerie Korotan wird mit einer Gruppe von Aquarellen, datiert 2017, ergänzt. Einige von ihnen gehören der Bildserie mit dem anschaulichen Titel Unterwasserblick an. Rimele praktiziert die Aquarelltechnik meist während seiner Aufenthalte in Küstenorten, wo er oft der Frage der Horizontlinie nachgeht. Im Sommer 2017 tauschte er den Blick über dem Meeresspiegel gegen die farbenfrohen Erlebnisse unterhalb aus und entschied sich zudem für ovales Papier als Bildträger. Mit einigen intensiv gelbfarbenen Aquarellen überprüft er die Strahlung des gefärbten Lichts an der Wand des Ausstellungsraums auch in diesem Medium; er hat nämlich die Rückseite der Aquarellblätter mit intensiver gelber Farbe bemalt und versucht somit den Arbeitsablauf beim Erstellen größerer Werke nachzuahmen. 

Dr. Marjeta Ciglenečki