Botschaft der Republik Slowenien in Berlin /Artist in Residence /Dezember 2013, Peter Rauch /

18.12.2013

Peter Rauch

Seit Dezember lebt und arbeitet er in der slowenischen Kulturwohnung in Berlin. Peter schrieb:


Notizen, Korrespondenz und Gedankenkonstrukte

Heute bin ich spazieren gegangen. Menschen, die ich nicht kannte, registrierte ich im Vorbeigehen, und hörte nebenbei Schönbergs Streichquartett Nr.1 - dreimal. Auf dem Rückweg trat ich in einen Plattenladen um zu sehen, ob ich etwas Interessantes finde. Random digging. Der Verkäufer schickte mich weg und sagte, ich solle nicht zurückkommen, ich wäre zu langweilig für diese Stadt. Ich weiß.

Hinten steht jemand, der gerade beim Stöbern Dark Side von Pink Floyd gefunden hat. Während ich an den Tür (ich stehe immer an den Tür) machtlos die Wörter in der Luft fange, merke ich, dass er nicht mehr stöbert und mich nur stumm anschaut und, wie ich vermute, der extrem beklemmenden Konversation zuhört.

“Ich weiß nicht, ob du es weißt, aber der Kiez, in dem du wohnst, ist wegen Gentrifikation ziemlich problematisch“ erklärte sie mir. Danach unterhielten wir über die Künstler, die im Büro arbeiten usw. Unter uns führten die Anarchisten eine Sitzung. Ein paar Tage später trank ich auf der gegenüberliegenden Seite noch einen Kaffee, nächste Woche gehe ich vermutlich Pizza oder Nudeln essen und noch ein “Bier trinken – allerdings. Mehr als eins.“

Normalerweise ist es so, dass jemand spricht oder gestikuliert und das Gesagte weitergibt: “Bitte schön, mach damit, was du willst.“ Ich mache, a) weil die Weitergabe ein selbstloses Geschenk ist, b) weil das Geschenk nicht erwartet wird und als ein Fund oder eine Überraschung gesehen wird oder c) weil zugleich das “Geschenk“ nicht das ist, was geschenkt werden sollte, sondern etwas Anderes.

“Ich habe dir noch nicht die Details erklärt. Ich habe ein Geschenk gekauft, eine Platte für den Vater, klar, und habe ein gutes Souvenir gefunden - Music from Berlin in the 1920's, mit der früher erwähnten Ballade von Kurt Weill und Bertold Brecht, Die Moritat von Mackie Messer - Siehst du, so drehe ich mich im Kreis.”

Aus dem unter dem Bett gefundenen Material habe ich ein Studio gebaut. Im Studio notiere ich alle Objekte, die ich nicht benutzen werde. Diese habe ich in den Schränken gefunden, neben den Gewürzen, Essensresten und Hygieneartikeln. Ein Telefon, zwei Modems, ich werde sie nicht weiter aufzählen. Überall Spuren und Geschenke, deshalb machte ich eine Skizze der Blickfeldgrenze und der im Zimmer auftauchenden Lichtreflexion. Einige Besucher werden diese Woche ins Studio kommen, vielleicht auch in die Ausstellung – ich warte noch auf die Ergebnisse des Fotolabors.

Ich lese sowieso die meiste Zeit.